Künstler

Kurz sollen die drei österreichischen Künstler, dessen Werke uns tiefer in die Sozialstruktur des Biedermeier führen und durch deren Augen wir das Leben, das Kindsein und das Erwachsenwerden betrachten können, vorgestellt werden.


Ferdinand Mallitsch

1820 Graz - 1900 St. Leonhard/Untersteiermark

Mallitsch, ein vor allem durch seine Landschaftsbilder geschätzter Künstler begann seine Ausbildung 1841 an der ständischen Zeichnungsakademie bei Josef Tunner, bevor er 1842-48 die Akademie der bildenden Künste in Wien absolvierte. Als seine Lehrer beeinflußten ihn Waldmüller, Kuppelwieser und Cogniet. Auch die Schule von Barbizon ist in seinem Schaffen spürbar. Ab 1855 bewirtschaftete er jahrelang das Familiengut bei Marburg (Untersteiermark) und mußte auf die berufsmäßige Ausübung der Malerei verzichten. Nach dem Verkauf des Hofes übersiedelte er nach St. Leonhard. Erst Mitte der 60er Jahre, als er sich vermählte und Vater wurde, wandte er sich wieder verstärkt der Malerei zu. Thematisch standen nun seine Familie und die Landschaft der nächsten Umgebung im Mittelpunkt. Fern des städtischen Kunstbetriebes in großer Zurückgezogenheit lebend, gelange er unter Verarbeitung seiner Eindrücke (Frankreich, Barbizon) zu sehr eigenständigen Lösungen. Während Mallitsch in seinem Frühwerk deutlich unter dem Einfluß der Wiener Biedermeiermalerei steht, was ihm die Bezeichnung eines steirischen Waldmüller eingebracht hat, suchen seine späteren Werke neue Ausdrucksformen. Besonders die intimen Familienszenen in den Räumen seines Hauses sind von großem malerischen Reiz. Das Licht fließt warm und tonig durch die Räume und löst jede Schwere auf. Das Interesse konzentriert sich in seinen Landschaftsbildern auf die Wiedergabe der Gegenstandsfarben und durch das Spiel von Licht und Schatten. Mallitsch ist einer der interessanten österreichischen Künstler des 19. Jahrhunderts, dessen stimmungsvolle Natursicht und aufgelockerte malerische Formen einen wichtigen Beitrag zur Kunst lieferten. Da er sich aber fast nie an Ausstellungen beteiligte, blieb sein Werk Zeit seines Lebens unbekannt und ohne Wirkung.

Ernst Christian Moser

1815 Graz - 1867 Graz

Moser hat die Impulse Waldmüllers in Wien aufgenommen und in die Steiermark übertragen. Er war ein hervorragender Künstler, der unverdienterweise außerhalb der Steiermark bis heute kaum bekannt ist.
Aus beengten wirtschaftlichen Verhältnissen stammend, konnte er durch die Unterstützung seiner Mutter von 1828 bis 1838 an der Wiener Akademie studieren - unter anderem bei Waldmüller.
Ab 1840 unterrichtete er an der ständischen Zeichnungsakademie in Graz, eine schwere Krankheit hinderte ihn aber früh an der vollen Ausübung seiner Tätigkeiten.
Die beiden Hauptbereiche von Mosers Schaffen waren die Genremalerei und das Porträt. Er brachte das biedermeierliche Sittenbild zu einem Zeitpunkt in die Steiermark, als hier die religiöse Kunst der Nazarener vorherrschte und wurde zu einem gesuchten Bildnismaler der Grazer Aristokratie und des gehobenen Bürgertums.
Neben den Einflüssen Waldmüllers ist in Mosers Bildern die zurückhaltende Farbigkeit, der Reichtum an Farbnuancen und die Meisterschaft in der Schilderung der einzelnen Gegenstände charakteristisch.

Ferdinand Georg Waldmüller

1793 Wien - 1865 Hinterbrühl/Niederösterreich

Sein umfangreiches Werk umfaßt bedeutende Bilder aus allen wichtigen Themenbereichen des Biedermeier. Neben Aquarellen und Zeichnungen sowie mehreren Skizzenbüchern hinterließ Waldmüller über 1000 Gemälde.
Der aus einfachen Verhältnissen stammende Künstler verließ früh das Elternhaus, um an der Wiener Akademie zu studieren, wobei er sich auf die Porträtmalerei spezialisierte, die Natur und das Naturstudium als äußerst wichtig erachtete.
1829 wurde er Kustos der Gemäldesammlung der Akademie und erteilte auch Privatunterricht.
Waldmüller ist in der Sammlung der Neuen Galerie durch eine Reihe von Genrebildern vertreten. Während er in der Landschaft und Porträts größtmögliche Wirklichkeit anstrebte, wird in ihnen sein Verhaftetsein in älteren idealistischen Anschauungen und Bildtypen deutlich, wie auch seine Forderung an die Kunst, zur moralischen Besserung des Menschen beizutragen.
Es sind die Bauern und die Kleinbürger der dörflichen Gegend um Wien, die den Maler bis an sein Lebensende zu unzähligen Erzählungen veranlassen.
Ein Zitat Waldmüllers hilf vielleicht, seine Intentionen besser zu verstehen:
"Überall ist es die Moral, die bessernd, veredelnd wirken soll. Das ist zuvörderst die Aufgabe der Kunst, ohne diese Lösung ist sie unnützer Tand, ja auch von schädlichen Einflusse."